Sieben Gründe für das Bauen mit Holz

Wir vom Büro hauserpartner haben buchstäblich Jahrzehnte Erfahrung im Bauen mit Holz. Es ist an der Zeit für ein Plädoyer.

Wir lieben diese Bauweise, sehen die wunderbaren Vorteile und haben sehr viele gute Erfahrungen damit gemacht. Nun entschärfen wir sieben Antithesen, die uns immer noch regelmäßig in Form von Vorbehalten gegenüber dem Bauen mit Holz begegnen:

Vorbehalt 1: Das Bauen mit Holz ist aufwendig.
Dem Holzbau wird immer noch unterstellt, er sei aufwendiger als andere Bauweisen, sowohl in der Planung als auch in der Durchführung.

1. Das Bauen mit Holz ist schnell.

Die Vorfertigung der Wand-, Decken- und Dachelemente findet in witterungsunabhängigen Fertigungshallen statt. Somit ist die Produktion kontrollierbar und nicht vom Wetter anhängig.
Der hohe Vorfertigungsgrad der Holzelemente ermöglicht außerdem eine schnellere Bauzeit vor Ort, so dass von der Fundamentierung bis zur Fertigstellung des Innenausbaues eine extrem kurze Bauzeit vorgewiesen werden kann. Die Montage der vorgefertigten Wand- und Deckenteile kann bei einem Wohnhaus, unabhängig von der Jahreszeit, innerhalb von ein bis zwei Tagen erfolgen und ist damit die wesentliche Voraussetzung für eine sehr kurze Bauzeit. Dazu kommt, dass keine Baufeuchte entsteht, die lange austrocknen muss. Durch die Vorfertigung gibt es letztendlich auch noch eine viel geringere Gefahr von potentiellen Bauschäden.

Vorbehalt 2: Das Bauen mit Holz ist minderwertig.
Wegen der mangelhaft ausgeführten Holzbauten der 60er und 70er Jahre kursieren noch immer folgende Vorurteile gegenüber modernen Holzbauten: Undichtigkeit, falscher bauphysikalischer Aufbau, mangelnde Wärmedämmung, geringer sommerlicher Wärmeschutz und zu klein dimensionierte tragende Teile.

 

2. Das Bauen mit Holz ist gesund.

In den letzten Jahrzehnten hat sich sehr viel im Bereich Holzbau getan. Die Fakten sind: Holz atmet, nimmt Feuchtigkeit im Raum auf, wirkt wie ein Luftfilter, ist antibakteriell und an der Oberfläche bilden sich keine Schimmelpilze. Holz hat an der Rauminnenseite die annähernd gleiche Oberflächentemperatur wie die Raumluft und macht hohe Winddichtigkeit möglich. Dadurch ist eine künstliche Kühlung nicht notwendig. Holz erwirkt ein natürliches Wohnklima und bietet eine Grundlage für allergiefreies Bauen.
In der Summe ergeben diese Eigenschaften ein hohes Maß an Wohlempfinden und wirken sich auf die Benutzer des Gebäudes aus.
Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Die Krankheitsquote im Neubau des Büros von hauserpartner, das in Holzbauweise errichtet wurde, ist seit dem Einzug im Jahr 2011 drastisch gesunken.

Vorbehalt 3: Das Bauen mit Holz ist teuer.
Diese Antithese ist nur dann richtig, wenn veraltete Methoden der Konstruktion, wie zum Beispiel Fachwerkbau ohne Vorfertigung, zur Anwendung kommen.

3. Das Bauen mit Holz ist kostengünstig.

Die Voraussetzung für den modernen Holzbau ist der intelligente Einsatz von modernen Holzkonstruktionen in modularen Einheiten mit hohem Vorfertigungsgrad. Auswertungen von über 200 Holzbauten der letzten 20 Jahren im Büro hauserpartner ergaben durchweg angemessene Kostenergebnisse. Sie sind im Vergleich zu anderen Konstruktionsmaterialien weitgehend kostenneutral.

Vorbehalt 4: Das Bauen mit Holz löst beengende Raumgefühle aus.
Dieser Eindruck kann entstehen, wenn in der Gestaltung Raumproportionen, Balkenabstände, Verhältnis zwischen Fensterflächen und die Größe von sichtbaren Holzoberflächen im Raum unberücksichtigt bleiben.

4. Das Bauen mit Holz bietet ein positives Innenraumambiente.

Aufgrund des Farbtones, der Maserung und der Haptik steht Holz für Wohnlichkeit, Behaglichkeit und Wärme. Es ist ein lebendiger Baustoff mit optischer Wirkung. Strudel, Wirbel und gewisse Unvollkommenheiten sind sichtbar. Das sind aber reizvolle Merkmale und lassen uns deutlich die Natur wieder erkennen. Auch in der haptischen Wahrnehmung ist das Material Holz sehr beliebt. Es wirkt warm und weich und sich positiv auf unseren Geruchssinn aus.

Vorbehalt 5: Das Bauen mit Holz ist ein Ausdruck von Konservatismus.
Dieser Eindruck resultiert aus abgespeicherten Bildern der Vergangenheit, in der Holzbauten oft dunkle Räume in Fachwerkhäusern bedeuteten oder schwere Tragkonstruktionen im Altbau.

5. Das Bauen mit Holz ist zeitgemäß und modern.

Neu entwickelte Holzprodukte, wie z.B. von Lignatur, ermöglichen großflächige, glatte Deckenoberflächen. Innovative Oberflächenbearbeitung wie z.B. Bohrungen, Schlitzen und Absorptionsplatten, ergeben eine lebendige Ästhetik und zugleich eine hohe Schallabsorption.
Die Modernität im Holzbau besteht darin, dass das Zusammenwirken der Anforderungen wie Statik, Brandschutz, Ästhetik, Ökologie und Raumakustik mit den Mitteln einfacher Holzbauelemente ganzheitlich gelöst werden können. Dazu kommt, dass zeitgemäße Produktions- und Montagetechniken eine hohe Maßhaltigkeit ermöglichen.

Vorbehalt 6: Das Bauen mit Holz bringt eine kurze Lebensdauer mit sich.
Das ist nur dann richtig, wenn Holz entgegen den Regeln der Baukunst falsch angewandt und eingesetzt wird.

6. Das Bauen mit Holz ist nachhaltig und von langer Dauer.

Bei der Beständigkeit kann sich Holz mit jedem bekannten Baustoff leicht messen. Selbst bei extremen Klimabedingungen gibt es nichts Vergleichbares.
Einige Beispiele: Bauernholzhäuser im Schwarzwald oder in den Alpenregionen haben eine Lebensdauer von mittlerweile schon über 250 Jahren. Fassadenschindeln in Fichte können 60 bis 80 Jahre lang eingesetzt werden. Dachschindeln (15 mm gespalten und dreifach gedeckt) in Tanne oder Lärche haben eine Lebenszeit von ca. 80 Jahren.
Holz ist vollständig verwertbar, ist sehr energiesparend bei der Herstellung und schließt den CO²-Kreislauf. Wer mit Holz baut, reduziert den CO²-Wert und trägt aktiv zu einem besseren Welt- und Raumklima bei. Holz ist ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff.

Vorbehalt 7: Der Beruf des Zimmermanns ist ein Auslaufmodell.
Das stimmt, aber nur wenn er sich zum Monteur und Erfüllungsgehilfen von Industrieproduktionsstätten degradieren lässt.

7. Das Bauen mit Holz fördert den positiven Umgang mit allen Beteiligten.

Die maximale Vorfertigung der Wand-, Decken- und Dachelemente erfordert einen besonders gut abgestimmten Planungs- und Ausführungsprozess.
Verschiedene Betriebe müssen frühzeitig kommunizieren und begegnen sich durch den gemeinsamen und geordneten Arbeitsablauf.
Der Umgang mit Holz führt zur Freisetzung von Potential und der Entstehung von Teamgeist, sowohl für die Planer als auch für die Ausführenden. Das Planen und das Ausführen von modernen Holzkonstruktionen bedarf höchste Kompetenz.

Verwiesen wird auf weitere Aspekte aus der Broschüre “Argumente für den Holzbau

 

Die Inhalte dieses Themen-Artikels basieren auf dem Vortrag von Helmut Hauser und Gabriela Hauser beim 20. Internationalen Holzbau-Forum in Garmisch-Partenkirchen am 03.12.2014.