Neues Leben im Nazarenerhaus

Jahr: 2005 bis 2007Erstellung des Gebäudes: 1869
Ort: 72227 EgenhausenStatus: realisiert
Wohnfläche: 351 m2Fotos: Thomas Fritsch Photography

Das ehemalige Nazarenerhaus wurde mit viel Herzblut und persönlichem Engagement des Bauherrn renoviert und in einen fantastischen Zustand versetzt. Das Leben im Denkmal wird so zu einem echten Erlebnis.

Ausgangspunkt

Das seit dem Jahr 2004 leer stehende Wohn- und Gemeinschaftshaus als Hauptgebäude der ehemaligen Nazarenergemeinde wurde von zwei jungen Familien gekauft. Das „Nazarenerhaus“ steht zusammen mit weiteren, noch erhalten Gebäuden der ehemaligen Nazarenergemeinde samt deren Friedhof als Sachgemeinschaft unter Denkmalschutz.

Konzeption

Es bestand der Wunsch das Gebäude als Wohnhaus für beide Familien und eine Wohngemeinschaft für junge Erwachsene auszubauen. Dabei wurden Eigenleistungen von weit über 4.000 Stunden geleistet. Die Renovierung und der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege geplant und durchgeführt.

Umsetzung

Im Erd- bzw. Sockelgeschoss befinden sich ein großer Gewölbekeller, ehemalige Bedienstetenzimmer, die Backstube und die Waschküche des Hauses. Die ehemalige Backstube wurde in ein Zimmer für die Wohngemeinschaft umgebaut. Im Bedienstetenzimmer fand eine kombinierte Stückholz-Pelletsheizung samt Pelletslager Platz. Die übrigen Räume im Erdgeschoss sind gemeinschaftlich genutzte Wirtschaftsräume. Im 1. Obergeschoss befindet sich nach Nordosten gerichtet der ehemalige Bet- und Versammlungsraum, das Herzstück des Nazarenerhauses. In diesem und den anderen Räumen des 1. Obergeschosses wurde der Lebensraum für die Wohngemeinschaft eingerichtet. Dabei wurde der Bet- und Versammlungsraum in seiner Größe erhalten, und dient weiterhin als Versammlungsraum für die Gemeinschaft des ganzen Hauses. Als Treffpunkt, Wohnzimmer und Küche bekam der Raum einen freistehenden Küchenblock eingebaut. Ein Bad und drei Schlafzimmer stehen der Wohngemeinschaft hier zur Verfügung. Das 2. Obergeschoss mit 1. und 2. Dachgeschoss wurde quer zur Gebäudeachse geteilt, um hier die Wohnungen der beiden Bauherrschaftsfamilien über jeweils drei Geschosse einzubauen.

Das Tragwerk aus Holzfachwerk wurde erhalten und entsprechend ertüchtigt. Aus Gründen der Heizenergieeinsparung sollte das Gebäude wärmegedämmt werden. Außen war die historische Holzschindelverschalung und hölzerne Fenstergewände mit zahlreichen Zierelementen erscheinungsprägend, während die Innenräume überwiegend mit hölzernen Lambrien und Wandtäfeln zusammen mit profiliertem Deckenstuck verziert waren. Als Kompromiss wurde mit dem zuständigen Denkmalpfleger die Wärmedämmung auf den Fassaden unter weitest möglichen Beibehaltung des Erscheinungsbildes konzipiert. So bekamen die Fassaden eine Außendämmung aus Holzweichfaser- und Mineralfaserplatten mit einem Mineralputz als Decklage. Die hölzernen Fenstergewände wurden nach Außen in die neue Ebene versetzt. Weiterhin wurde der gesamte Fensterbestand ausgetauscht gegen Holzfenster, welche dem Original nachgebaut wurden. Die ausgebauten, erhaltensfähigen Originalfenster sind in der Scheune neben dem Haus eingelagert und für die Nachwelt erhalten.