Substanzsicherung im Kapuzinerkloster

Jahr: 2007Status: realisiert
Ort: 71263 Weil der StadtFotos: hauserpartner - Ulrich Fischer
Bruttorauminhalt: 4.864 m3

Komplexe Aufgabenstellung zur Sicherung der baulichen Substanz im denkmalgeschützten Kapuzinerkloster in Weil der Stadt.

Ausgangspunkt

Im Jahr 1669 begannen die inzwischen in Weil der Stadt ansässigen Kapuzinermönche mit dem Bau ihres Klosters nach dem „Kapuziner-Standard-Bauplan“, jedoch in gespiegelter Form. Teile der Klausurgebäude und wohl die Grundmauern der Klosterkirche entstanden in dieser Zeit. Die Klosterkirche allerdings wurde erst im Jahr 1715 geweiht und gegenüber dem Bauplan um etwa 2,5 m kürzer nach Westen hin ausgeführt. Die unmittelbar benachbarten Augustinerchorherren verhinderten den Bau nach den Abmessungen des Originalbauplanes. Wohl wegen der Intervention der Augustiner haben die Kapuziner ihr Kloster nicht fertiggebaut – es fehlen der Westflügel und ein Teil des Nordflügels. Im Jahr 1810 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben und drei Jahre später an Privatleute verkauft. Diese Leute nutzten das Anwesen zum Wohnen und für ihre Landwirtschaft. Man teilte die Klosterkirche in der Länge und nutzte sie als Scheune mit Heuböden, Heuaufzügen und Tenne. In den Westgiebel brach man eine große Öffnung für zwei Scheunentore heraus, was dem Giebel aus statischer Sicht die Basis geraubte.

Der gesamte Klosterbestand ist erhalten geblieben. In den späten 1990er Jahren konnte die Stadt Weil der Stadt die ehemalige Klosterkirche samt Laien und Mönchschor erwerben. Das ehemalige Konventgebäude, der Ost- und Nordflügel, ist immer noch in Privatbesitz und wird bewohnt.

Konzeption

Das vom Einsturz bedrohte Kirchengebäude musste dringend in seiner Substanz gesichert werden. Den Auftrag für die „nutzungsorientierte“ Substanzsicherung bekam seinerzeit das Architekturbüro Reg.Bmstr.Dipl.Ing. Albrecht Laubis. hauserpartner war an der Planung der Substanzsicherung sowie der späteren Nutzung beteiligt und hatte die Bauleitung während der Substanzsicherung.

Umsetzung

Zunächst musste nach dem Ausräumen des Kirchenschiffs der Dachstuhl saniert und wieder tragfähig hergerichtet werden. Aufgrund der großen Scheunentoröffnung im Westgiebel hatten sich große Teile des Dachstuhls abgesenkt, nach Westen verschoben und lagen nun auf dem raumteilenden Fachwerk auf. Entsprechend schwierig gestalteten sich Zimmererarbeiten. Zwischenzeitlich wurde auch mit der Sanierung des Mauerwerks begonnen, um die Standfestigkeit wieder herzustellen. Mauerwerksrisse wurden vernadelt und verpresst, die Gebäudeecken am Westgiebel mit Nadelankern gesichert und das Mauerwerk in großen Teilen verpresst. Währenddessen wurde auch die große Scheunentoröffnung im Westgiebel ausgemauert, so dass ein neuer, kleinerer Eingang entstand und die Basis des Giebels wieder hergestellt war. Nun endlich konnte das Kirchenschiff samt Laienchor komplett ausgeräumt und seiner Einbauten entledigt werden. Der Einbau einer Bodenplatte und einfacher Wetterfenster schloss hier den ersten Bauabschnitt ab. Nebenher musste wegen der großen Schäden das Fachwerk und die Decken des Kreuzganges nebenan weitestgehend nach historischem Vorbild erneuert werden. Mit Abschluss dieses ersten Bauabschnitts waren die ehemalige Klosterkirche, die beiden Chöre und der angrenzende Kreuzgang wieder standfest.